Paul DeMarinis
Around the World / The Probable Flight Path of AF447
02. Juli 2010 - 12. September 2010
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Around the World - Installation

Das Telegrafenrelais ist das Bindeglied zwischen den Symbolwelten der Zeichen und Laute. Das einfache elektrische Gerät war der Schlüssel dafür, dass Nachrichten über mehr als 30 km übermittelt werden konnten. Durch die Regenerierung des mit der Entfernung schwächer werdenden elektrischen Stroms ermöglichte das Relais eine fast unmittelbare Rund-um-die-Welt-Kommunikation. Es machte aber auch ein vernehmbares Klickgeräusch, das Telegrafisten als hörbare Form geschriebener Sprache einsetzten – einer, die zwar aus Klängen bestand, aber nichts mit der Welt der mündlichen Rede zu tun hatte. Das Klappern des Telegrafen bildet den Kern unserer Kommunikations- und Informationsspeichertechnologien. Mithilfe lexikalischer Symbole, die zugleich Zeichen (Daten) und Laute (Signale) sind, umschließen wir den Erdball mit einem Ring endloser Kommunikation. Die in den äußeren Kammern des großen Wasserspeichers installierte Leitung mit 34 Relais macht die Differenz zwischen der Geschwindigkeit des Schalls und der Geschwindigkeit elektromechanischer Impulse sinnlich spürbar.


The Probable Flight Path of AF 447 - Installation

In Salzwasser korrodierendes Kupfer und Aluminium lassen ein seltsames Klanggebilde aus tiefen, fraktalen Brummtönen, erratischen Klopfgeräuschen und einem Gemurmel wie von „Geisterstimmen“ entstehen. Der Titel nimmt Bezug auf das Flugzeug der Air France, das am 1. Juni 2009 mitten über dem Atlantik von Himmel fiel. Die Suche nach seiner Blackbox war bisher erfolglos, aber da es sich um eine Konstruktion aus Aluminium und Kupfer handelt, könnte das Wrack ganz ähnliche Signale wie diese Arbeit aussenden, die sich mit speziell entwickelten Lauschgeräten aufspüren ließen.
In den vier Ringen des Wasserspeichers befindet sich je ein Aquarium, das als Metallkorrosionszelle fungiert. Seine Geräusche werden jeweils verstärkt und an einen Breitbandlautsprecher und einen Subwoofer geschickt.
Die tieffrequenten Klänge aktivieren mit den sich in der Luft fortpflanzenden und miteinander interferierenden Infraschallwellen die Räume des historischen Wasserspeichers im Prenzlauer Berg. Diese Wellen wirken auf eine Reihe schallempfindlicher Schaltkreise, die lange fluoreszierende Röhren einschalten, wenn ein bestimmter Schalldruck überschritten wird. Ihre Schwellenwerte sind so festgelegt, dass sie lediglich auf die von den Elektrolytzellen ausgehenden Klänge reagieren, so dass ein flackerndes Licht entsteht, das auf mysteriöse Weise mit den tieffrequenten Klängen korrespondiert.